Geschwisterpaar lernt seine binationale Identität anzuerkennen

Der zwölfjährige *Akili und seine zehnjährige Schwester Laura sind in Deutschland geboren, ihre Mutter Lena ist Deutsche, ihr Vater Noan kommt aus Angola, wo er im angolanischen Ministerium arbeitete. Lena lernte Noan bei einem beruflichen Aufenthalt in Angola kennen, und bald wurden sie ein Paar und heirateten.
Als Lenas Arbeitsvertrag in Angola auslief, kehrte sie nach Deutschland zurück, aber ihrem Mann Noan wurde die Einreise nach Deutschland sehr erschwert. Erst nach vier Jahren gab es endlich ein Wiedersehen zwischen den Eheleuten. Ein Jahr später kam Sohn Akili auf die Welt.

Mit der Arbeit in Deutschland hatte Noan nicht viel Glück. Sein angolanischer Studienabschluss wurde nicht anerkannt, und bevor er eine Ausbildung machen konnte, musste er erst einmal die deutsche Sprache erlernen und Integrationskurse besuchen. Um seine Familie ernähren zu können, war Noan gezwungen, niedere und schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen; dadurch fühlte er sich minderwertig. Die Freude über die Geburt seiner Tochter Laura zwei Jahre später war deshalb nur gering. Immer häufiger kam es zum familiären Streit, unter dem besonders die Kinder litten. Schließlich trennte sich das Paar. Da waren Akili und Laura sechs und acht Jahre alt.

Die Kinder lebten nun allein mit der Mutter. Sie fantasierten, der Vater liebe sie nicht und habe sie deshalb verlassen. Wenn er sie besuchte, reagierten sie ablehnend und wollten nichts über ihn und sein Heimatland wissen. In der Schule schämten sie sich wegen ihrer Hautfarbe und stritten mit den anderen Kindern, wenn die neugierig versuchten, etwas über ihre Herkunft  herauszufinden.

Der „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“ hilft den Kindern

„Verband binationaler Familien und Partnerschaften“ hilft Müttern binationaler KinderSchließlich meldete die Mutter sich und die Kinder bei der Beratungsstelle vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf e.V.) für die „Interkulturelle Kinder- und Elterngruppe bei Trennung und Scheidung“ an. Zusätzlich besuchte sie die sog. Müttergruppe, um zu lernen, das Verhalten ihrer Kinder besser zu verstehen und sie im Glauben zu bestärken, ihr Vater liebe sie, und dass sie stolz auf ihre Herkunft sein können.

Akili und Laura erlebten durch die Zusammenkunft mit anderen Kindern getrennter binationaler Elternpaare, dass die Trennung der Eltern nichts mit ihnen selbst zu tun hat und dass sie von der Liebe beider Elternteile ausgehen können, auch wenn diese nicht mehr zusammenleben. Sie lernten ihre binationale Herkunft schätzen und wurden neugierig auf das Heimatland des Vaters. Zur Überraschung aller sprach Akili plötzlich in der Sprache seines Vaters, obwohl er bisher leugnete, sie überhaupt zu kennen. Er hatte mit seiner binationalen Herkunft Frieden geschlossen. Heute sind die Kinder zufrieden, ihren Vater so häufig wie möglich zu sehen.

Weil viele binationale Familien oft nicht die benötigten finanziellen Mittel für ein Seminarund Bildungsangebot aufbringen können, werden solche Maßnahmen von Kolibri gefördert.
Mit Ihrer Spende kann Kolibri Akili, Laura und anderen Kindern binationaler Familien helfen. Herzlichen Dank!

*Namen geändert

Foto: iaf, „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“