Geflüchtet und versorgt?

Veranstaltungsteilnehmer auf der Bühne: Petra Kelly Veranstaltung "Gefüchtet und versorgt?"

Wie werden die Menschen, die zu uns kommen, medizinisch betreut?

Veranstaltungsteilnehmer auf der Bühne: Petra Kelly Veranstaltung "Gefüchtet und versorgt?"
Begrüßung durch Bianca Dietz (Petra Kelly Stiftung)

Diesen Fragen ging Dunja Ramadan von der Süddeutschen Zeitung gemeinsam mit Katharina Grote vom Bayerischer Flüchtlingsrat, Heike Martin von Refugio München und Firouz Bohnhoff vom Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt München in der gemeinsamen Veranstaltung der Interkulturellen Stiftung Kolibri und der Petra-Kelly-Stiftung nach.

Um mit dem Positiven zu beginnen: Die Versorgung der Menschen, die derzeit aus der Ukraine zu uns kommen, läuft deutlich besser als die der Menschen, die vorher zu uns geflüchtet sind. Damit wächst die Hoffnung, dass die allgemeine gesundheitliche als auch die psychosoziale Versorgung für alle Geflüchteten besser werden könnte.

Enorme Hürden

Menschen, die aus anderen Ländern wie Afghanistan, Syrien und afrikanischen Ländern bei uns angekommen sind, müssen enorme Hürden überwinden, um ihr Recht auf gesundheitliche Versorgung in Anspruch nehmen zu können.

Wer eine ärztliche Behandlung braucht – auch bei akuten Schmerzen -, muss zunächst über das Sozialamt an einen Behandlungsschein kommen. Damit dieser ausgestellt wird, muss die gesundheitliche Problematik zu Protokoll gegeben werden, oft ohne sprachliche Unterstützung und ungeachtet der oft traumatischen Erfahrungen.

Dieser Behandlungsschein gilt – im Gegensatz zum Krankenschein – nur für einen Monat. Firouz Bohnhoff (Gesundheits- und Krankenpflegerin) betont, dass in München ein Vieles mehr an Unterstützung möglich ist als in anderen Orten Bayerns, wo sie nur unter Schwierigkeiten zu erhalten ist. Dennoch können auch in München nur wenige Menschen vom Gesundheitsreferat, von Sozialarbeiter*innen und/oder Dolmetscher*innen unterstützt werden, um möglichst schnell die erforderliche Behandlung zu erhalten.

Psychosoziale Versorgung katastrophal

„Eine Katastrophe“ ist die psychosoziale Versorgung der Geflüchteten, darüber sind sich Heike Martin und Katharina Grote einig. Geflüchtete haben keinen Anspruch auf eine psychotherapeutische Behandlung und der Verwaltungsaufwand, eine solche durchzusetzen, ist enorm hoch. Wenn es gelingt, eine Begleitung durch Dolmetscher*innen sicherzustellen, ist der Weg zur dringend notwendigen therapeutischen Unterstützung noch weit.

Javed Rahim

Javed Rahim, der im Bayerisches Zentrum für Transkulturelle Medizin e.V. als Gemeindedolmetscher ausgebildet wurde, erlebt häufig, dass die Menschen gefangen sind in Sorge um die Zurückgebliebenen, die eigene unsichere Zukunft, die lähmende Angst vor Abschiebung und vieles mehr, was die Bearbeitung der Traumata überlagert.

Diese Situation könnte und müsste verbessert werden durch stabile Verhältnisse, die den Menschen das erforderliche Gefühl von Sicherheit, Orientierung und Vertrauen geben. Dazu gehören auch deutlich kleinere Unterkünfte mit der Möglichkeit, das soziale Umfeld mitgestalten und ein soziales Netz aufbauen zu können.

Am Ende gewinnen wir alle, wenn es gelingt, allen Geflüchteten die gesundheitliche Versorgung zukommen zu lassen, auf die sie Anrecht haben und die sie brauchen. Nur dies ermöglicht ihnen eine Lebens- und Arbeitsperspektive.

Petra-Kelly-Stiftung in Kooperation mit Kolibri – Interkulturelle Stiftung
Weitere Information unter auf der Website der Petra Kelly-Stiftung

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GESUNDHEIT FÜR ALLE ist machbar

Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000 – so der Plan der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1977.
Was für ein Ziel! Was für ein Versprechen!

Und tatsächlich hat sich vieles verbessert. Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den Besten der Welt. Dennoch nimmt die Kritik hierzulande zu: Zu viel Profit – zu wenig Mensch. Dies steht so ganz im Gegensatz zu den ärztlichen Heldinnen und Helden, die medial präsentiert werden. Ihr Einsatz ist selbstlos, Geld spielt dabei keine Rolle.

Ein ganz anderes Bild bekommen wir über die gesundheitliche Situation der Menschen vermittelt, die in den Lagern Griechenlands oder auch in den bayerischen Massenunterkünften leben müssen. Auch hier gibt es selbstlose Helferinnen und Helfer, aber wenig bis kaum Struktur, die dabei hilft, dem WHO-Ziel nahe zu kommen.

In der Gesundheitsreihe „GESUNDHEIT FÜR ALLE ist machbar“ greifen wir solche und andere Themen auf. Bei der Suche nach Lösungen betrachten wir auch die Möglichkeiten und Gefahren einer elektronischen Gesundheitskarte und den Einsatz Künstlicher Intelligenz im medizinischen Bereich.