Lesung und Gespräch mit Friedrich Ani
Begegnungen, die ein Leben prägen
Der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani hat sich vor allem als Autor von spannenden Krimis einen Namen gemacht. Weniger bekannt sind seine Gedichte, Hörspiele und Drehbücher. Viele seiner Werke wurden mit Preisen ausgezeichnet. In diesem Jahr erhält er für sein Gesamtwerk den Literaturpreis der Stadt München. Am 27. April 2026 stellte er im Rahmen einer Benefizveranstaltung für die Interkulturelle Stiftung Kolibri im Gemeindesaal der Erlöserkirche sein jüngstes Werk „Schlupfwinkel“ vor.

Zwischen Schweigen und Sehnsucht – Die Suche nach einem Schlupfwinkel
Der autofiktionale Text erzählt von seiner Kindheit und Jugend, seinem Vater, seiner Mutter und den Großeltern, seinem Werden als Schriftsteller und seiner Begleitung der Mutter in ihrer Demenzerkrankung.
Dank des lebendigen Erzählstils des Autors und der professionellen Moderation von Frau Dr. Renate Bürner wurde es ein besonders lebendiger und nachhaltiger Abend. Höhepunkte waren die beiden von Ani selbst vorgelesenen Kapitel, mit welchen er in prägnanter Intonation das Publikum in die besondere Atmosphäre seiner Kindheit und Jugend einzustimmen verstand.

Seine Eltern hatten sich durch Zufall in dem bayrischen Dorf am Kochelsee getroffen. Das Ergebnis war Friedrich Ani. Die Mutter war als Flüchtling mit ihrer Familie aus Schlesien gekommen, der Vater aus Syrien, um in München Medizin zu studieren. Im 1951 eröffneten Goetheinstitut lernte er Deutsch und wohnte deshalb in Kochel.
Die Mutter und ihre Eltern standen dem Vater des Enkels abweisend und kalt gegenüber. In den ersten Jahren wurde es ihm nur selten erlaubt den Sohn zu sehen. Auch nach der Heirat der Eltern blieb das Verhältnis zu den schlesischen Verwanden distanziert, obwohl Anis Vater bald ein geschätzter und erfolgreicher Arzt war. Auch die Beziehung seiner Eltern untereinander blieb von Kälte und Schweigsamkeit geprägt. Die Mutter konzentrierte sich auf penibles Putzen, der Vater auf seine gut frequentierte Arztpraxis. In dieser „in Zement gegossenen Familie“ konnte er beide Eltern wenig kennenlernen.
Um aus der beklemmenden Umgebung auszubrechen, fand Friedrich Ani Schlupfwinkel: Das Fußballspielen mit den gleichaltrigen Freunden, wo er als guter Torwart geschätzt war und das Schreiben. Schon als Jugendlicher hatte er angefangen Gedichte zu schreiben, weil er bis heute in Gedichten vieles sagen kann, was ihm in Prosa schwerfällt. „Das Schreiben ist meine Art, in der Welt anwesend zu sein“ sagt er selbst.
Ein Abend voller Nachhall und Vorfreude

Obwohl Friedrich Ani immer wieder zum Lachen anregte, stimmte der Abend nachdenklich
Alle Fans von Friedrich Ani können sich auf den Herbst freuen, denn dann werden zwei neue Werke erscheinen: Ein Gedichtband und ein neuer Prosatext, „Stationen vergessenen Glücks“.
Kolibri dankt Friedrich Ani für den gelungenen Abend und für die Unterstützung unserer Arbeit.
Text: Charlotte Kosean
Fotos: © Ingrid Scheffler
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