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Von Kundus nach München
Flucht mit 14 Jahren

Flüchtling KundusNessar* erzählt: An meinen Vater habe ich keine Erinnerung. Als ich knapp zwei Jahre alt war, wurde er ermordet. Er war Kommandant in der afghanischen Armee unter Masud. Damit hatte er sich wohl unter den Taliban, die später unser Land beherrschten, viele Feinde gemacht.
Bis zu meinem 12. Lebensjahr lebte ich bei meinen Großeltern auf dem Land. Dorthin wurden meine Geschwister und ich von meiner Mutter geschickt.
Als meine Großeltern starben, kam ich zurück nach Khanabad zu meiner Mutter. Oft kamen Taliban-Kämpfer dort ins Haus, um meine Mutter aufzufordern, mich ebenfalls mit Waffen in die Kämpfe ziehen zu lassen. Um den Taliban nicht in die Hände zu fallen, durfte ich nicht mehr auf die Straße gehen.
Nachdem ich miterleben musste, wie einer meiner Cousins in einem Schusswechsel getötet wurde, fand meine Mutter Schleuser, die mich außer Landes bringen konnten. Weil ich lesen und schreiben konnte, traute sie mir zu, die Flucht alleine zu schaffen. Meine Mutter und der Rest der Familie wollten mir später folgen, aber bis heute habe ich sie nicht wiedergesehen.
Meine zweimonatige Flucht verlief über Kabul und Kandahar zur iranischen Grenze, dann weiter in die Türkei, und über Griechenland und Italien nach Deutschland.
Als ich im März 2010 in München ankam, habe ich die ersten Nächte im Freien übernachtet, weil ich nicht wusste, wohin ich gehen sollte. Ich suchte nach Menschen, die meine Sprache sprechen, um mir zu helfen. Schließlich brachte mich ein Taxifahrer, der aus meiner Heimat stammte, zur Erstaufnahmeeinrichtung, wo ich schließlich Kontakt zu Refugio erhielt.
Ich bin jetzt 19 Jahre alt, habe meinen Quali geschafft und bin jetzt schon im 2. Lehrjahr als Kfz-Lackierer. Nebenbei jobbe ich an den Wochenenden in einem Café.
Die Erinnerungen an mein Leben in Afghanistan und das Schicksal meiner Familie lassen mich nicht los. Refugio hat mich sehr dabei unterstützt, mich hier zurechtzufinden. Was mir auch sehr geholfen hat, sind die vielen schönen Dinge, die ich hier erlebt habe. Irgendwann werde ich ein Buch über all das schreiben. In jedem Fall bin ich schnell erwachsen geworden, und ich denke oft, dass ich in wenigen Jahen mehr durchgemacht habe als viele andere Menschen in ihrem ganzen Leben.
Nessar* möchte anonym bleiben, er befürchtet noch immer, dass er auch in Deutschland von den Clans in seiner Heimat gefunden werden kann.
Aufgeschrieben hat Nessars Geschichte Marko Junghänel.
Bei Refugio München, dem Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge, finden Menschen wie Nessar Hilfe.
Nessar hat schuldlos psychisch und körperlich leiden müssen. Refugio hilft ihm.
Mit Ihrer Spende an Kolibri helfen Sie, Behandlungen wie die für Nessar zu finanzieren.
Danke!

*) Name geändert.

Foto: Eleonore Peters

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19.9.2017 – 19:00 Uhr
Radio Lora: Migration in München
Mit Philipp Zölls, Historiker, und Mathias Weinzierl, Bayr. Flüchtlingsrat
Moderation: Renate Bürner, Redaktion Heike Bretschneider
58 Minuten, davon ca. 40 Min. Interviews
UKW 92,4, über DAB+ Kanal 11C