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Flucht und ihre Ursachen

Heribert Prantl schrieb in der Süddeutschen am 17./18.10.2015 u.a. „Migration erfolgt, wenn Kriege und Globalisierung Lebensräume und materielle Existenzen zerstören. Man muss deshalb alles tun, um Fluchtländer wieder zu Lebensräumen zu machen.“ Viel zu lange haben die USA und Europa die Region im Nahen Osten ignoriert und waren aktiv beteiligt an deren Destabilisierung. Mehr als Kolonialherren nicht als Partner dieser Völker haben wir mit zweifelhaften Mächten paktiert, die angeblich Stabilität und wirtschaftliche Vorteile versprachen. Das Wohl der dortigen Bevölkerung war uninteressant. Palästina ist ein potentielles Fluchtland, weil der Weltgemeinschaft das Leid der Menschen seit Jahrzehnten völlig gleichgültig ist. Es wird ein für Europa steiniger Weg werden, diese Region zu befrieden. Sie auch lebenswert zu machen, ist mit unserem Verständnis über Partnerschaft und Menschenrechte, Friedenspolitik und Wirtschaftsinteressen unmöglich.

Das zeigen wieder einmal u. a. die Verhandlungen über TTIP. Die Interessen der Verbraucher sollen auf dem Altar der Gewinnmaximierung für die Wirtschaft geopfert werden. Nicht die für die Menschen hohen Standards bei Gesundheit oder Ernährung beiderseits des Atlantic sollen gelten, sondern die jeweils niedrigeren. Wer würde nicht den Abbau von Bürokratie im Handel befürworten, wenn es um einen fairen Wettbewerb ginge, der Ausbeutung von Mensch und Umwelt ausschließt oder endlich Ressourcenverbrauch und Gesundheitsgefährdung in Rechnung stellt.

Kaum hat die Bundesregierung beschlossen, die Fluchtursachen auch in Afrika zu bekämpfen, erscheint ein Hinweis in den Medien, dass man Ausfuhrhilfen an unsere Milchbauern zahlen wird. Subventioniertes Milchpulver wird also noch stärker als bisher die afrikanischen Strukturen der Eigenversorgung zerstören, weil deren Milchbauern nicht mehr konkurrieren können. Es ist keine Rede von europäischen Fangflotten, die afrikanische Fischer brotlos gemacht haben, keine Rede von der Unterbindung von Landaufkauf in Afrika, von einer Besteuerung der Massentierhaltung, die Land in Afrika oder Lateinamerika durch den Sojaanbau enteignet oder degeneriert und unser Grundwasser durch Gülle und Medikamente schädigt. Subventionierte Massentierhaltung und Turbokühe sind die Ursache nicht nur für den Milchpreisverfall sondern auch für unendliches Leid der Tiere, den Preisverfall wertvollster Lebensmittel mit der Folge, dass man diese bedenkenlos wegwirft, Gesundheitsgefährdung der Menschen durch genveränderte Futtermittel und Pestizide bei deren Anbau sowie zunehmende Resistenzen gegen Antibiotika.

Die Gesellschaft zahlt den Preis, wenn durch moderne Landwirtschaft die Böden degenerieren und vergiftet werden. Wie gut, dass dies zum großen Teil in Ländern Afrikas oder Lateinamerikas geschieht. Mit ihren „archaischen“ Anbaumethoden ohne Düngemittel und Gift, für viele tödlich, können sie natürlich auf dem Weltmarkt nicht konkurrieren. Dass dortige Kleinbauern gesündere Lebensmittel produzieren, schlägt sich im Preis nicht nieder. Im Gegenteil müssen Hühnerhalter aufgeben, weil Europa seinen Abfall Hühnerklein aus der Massentierhaltung mit Ausfuhrhilfen dort auf den Markt wirft. Auch unsere abgetragenen Kleider, die wir billig in Asien eingekauft haben, landen dort. Die afrikanische Textilfertigung hat aufgegeben. Aber auch in den Freien Produktionszonen Mittelamerikas nähen Frauen zum Hungerlohn. Billigkleidung durch Sklavenarbeit wird auf dem Weltmarkt honoriert.

Wenn deutsche Entwicklungshilfe großflächige Landwirtschaft in Afrika fördert, bleiben die Kleinbauern auf der Strecke. Wer das rohstoffreiche Afrika bedenkenlos ausbeutet ohne die dortige Bevölkerung teilhaben zu lassen, wird das Elend in die Zukunft fortschreiben. Dreifünftel der ca. 3,5 Millionen Einwohner Nairobis, der Hauptstadt Kenias, leben auf Müllhalden in Hütten aus Abfall auf winzigen Flächen, die sogenannten Slumlords treiben dafür noch Miete ein. Dass der Ölreichtum Nigerias den Menschen nur Armut beschert hat, ist eine Frage von Ausbeutung und Korruption mit Hilfe westlicher Industriestaaten. In Indonesien werden Regenwälder abgefackelt, 25 Millionen Menschen leiden unter dem giftigen Rauch, der über Wochen die Inseln überzieht, weil die EU mit Biodiesel das Klima schützen will oder Tütensuppen in die Verkaufsregele bringt, die kein Mensch braucht. Erst wenn der gesamte Wald niedergebrannt ist, werden sich die Menschen dort aufmachen, u. U. auch nach Europa!

Unsere Stiftung Solidarische Welt arbeitet zwar bis heute insbesondere in Lateinamerika mit Indigenen und Kleinbauern und versucht wie viele andere NRO´s mit diesen Menschen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben, ihr Land und eine nachhaltige Anbaumethode durchzusetzen. Bei Erfolg unserer Arbeit werden diese Menschen niemals zu Flüchtlingen werden.

Horst Kühnle – Stiftung Solidarische Welt

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