Kolibri - interkulturelle Stiftung

Drucken

Grußwort von Christian Stückl

Da sagt der kleine 12jährige syrische Flüchtling Neil Tarabulsi: „ wenn ich Chopin spiele, dann habe ich das Gefühl, dass ich fliege“ und er setzt sich ans Klavier und man glaubt es kaum, er fliegt. Da spielen wir in Oberammergau in diesem Jahr, zusammen mit den Musikern der Neuen Münchner Philharmonie, Nabucco und an vier Probentagen hintereinander sitzt der 16jährige afghanische Flüchtling Raouf Habibi in der Aufführung, schließt seinen Mund nicht mehr und erzählt völlig begeistert, dass er so etwas Schönes noch nie gehört hat. Tage später hat er ein Kostüm an und spielt mit voller Hingabe einen Soldaten in Nabuccos Heer. Da flüchtet der 17jährige afrikanische Vollwaise Bakery Jatta aus Gambia, nimmt alle Strapazen auf sich, quält sich durch die Sahara, überwindet das Mittelmeer, landet schließlich in Deutschland, spielt heute für den Hamburger HSV und begeisterte Sportreporter sprechen von einem Fußballmärchen. Die Liste ließe sich unendlich fortführen, die Liste derer, die sich aufgemacht haben, weil sie dort, wo sie gelebt haben, nicht fliegen und an keine Märchen mehr glauben konnten, und die bei uns endlich so etwas wie Freiheit für sich erwarten.

Was bringen all die Diskussionen, ob der Islam zu uns passt, ob wir eine Obergrenze für Flüchtlinge brauchen, ob sich unter die Flüchtlinge IS Kämpfer gemischt haben oder ob die Flüchtlinge womöglich nur aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen. Ja, es gibt sie, die, die sich nicht integrieren, die, die eine eigenartige, gefährliche Auslegung des Koran verfolgen, und auch die, die sich einfach nur ein wirtschaftlich abgesichertes Leben wünschen. Die meisten aber sind vor Krieg, Verfolgung und Armut geflohen und sehnen sich nach Ruhe und nach der Möglichkeit, wieder an Märchen glauben zu können.

Als vor etwas mehr als einem Jahr hunderttausende Flüchtlinge kamen, hat Bundeskanzlerin Merkel gesagt: WIR schaffen das! Sie sagte WIR und nicht ICH. Sie sprach dies möglicherweise aus, weil sie an uns geglaubt hat, weil sie geglaubt hat, dass WIR so etwas wie Solidarität und Empathie in uns tragen und fähig sind, eine schwierige Situation zu meistern. Heute aber zeigen viele Politiker, Journalisten und ganz einfache Bürger auf die Kanzlerin und rufen wie im Chor: SIE ist gescheitert!

Nein! Wenn, dann scheitern WIR und nicht SIE! Wir waren und sind gefordert, alles dafür zu tun, dass Neil Tarabulsi, Raouf Habibi, Bakery Jatta und viele Tausende mehr endlich wieder fliegen können und dass sie hier bei uns eine neue Heimat finden können.

Und , es gibt sie, die, an die Frau Merkel geglaubt hat! Dankbar können wir auf all die blicken, die sich immer noch und ohne sinnlose Diskussion einfach ehrenamtlich engagieren, die privaten Deutschunterricht geben, die Neil Tarabulsi den Klavierunterricht finanzieren, die Jugendlichen in Fußballvereinen einen Ball in die Hand drücken, oder auch die Interkulturelle Stiftung Kolibri, die, mit Franz Deutsch und der Neuen Münchner Philharmonie, dieses Konzert veranstaltet um jugendlichen Geflüchteten die Türen zu unserer Kultur zu öffnen.

Danke!

Christian Stückl war der Schirmherr des Kolibri Benefizkonzerts (Anm. Kolibri Redaktion)

 

pfeil, zurückZurück